Ein Kommentar von Claudia Töpper.
Am vergangenen Sonntag, den 4. Oktober 2026 reiste der deutsche Bundeskanzler, Friedrich Merz in die ukrainische Hauptstadt Kiew, um sich dort mit dem ukrainischen Präsidenten, Wolodymyr Selenskyj zu treffen.(1) Bei diesem Treffen sicherte Merz der Ukraine erneut finanzielle Unterstützung im Wert von 1 Milliarde Euro zu – als Militärhilfe. Zusätzlich sicherte er der Ukraine weitere 350 Millionen Euro für den Energiesektor zu.(2) Des Weiteren haben neun deutsche Unternehmen Verträge und Absichtserklärungen mit der Ukraine geschlossen. Insgesamt wurden 15 Dokumente im Wert von 8,5 Milliarden Euro während des Ukrainisch-Deutschen Wirtschaftsforums unterzeichnet. Diese Dokumente enthalten unter anderem ukrainische Aufträge für die deutsche Industrie.(3)
Welche deutschen Unternehmen beteiligen sich?
Das ukrainische Verteidigungsministerium hat eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit mit Diehl Defense über den Kauf und die Lieferung von Tausenden von Raketen und IRIS-T-Systemen (Lenkflugkörper mit bildgebendem und störresistentem Infrarot-Suchkopf und einer 360°-Schubvektorsteuerung), Flugkörpern sowie Artilleriemunition abgeschlossen.(4) Diehl Defense ist ein deutsches Rüstungs- und Verteidigungsunternehmen und gehört zur Diehl-Gruppe, genauer zur Diehl Stiftung & Co. KG. Die Diehl-Gruppe ist ein privates deutsches Familienunternehmen. Sie wurde 1902 von Karl Diehl gegründet.(5)
Das deutsche börsennotierte Rüstungs- und Hochtechnologieunternehmen HENSOLDT hat ebenfalls mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium eine Absichtserklärung über weitere Radarsysteme und die Weiterentwicklung der ukrainischen Luftraumüberwachung unterzeichnet.(6) HENSOLDT erklärt in seiner Pressemitteilung wörtlich:
„Die Zusammenarbeit umfasst zudem die Weiterentwicklung der Radarfähigkeiten. Außerdem wollen die Partner Optionen für den Einsatz und den gemeinsamen Betrieb von Weitbereichsradaren des Typs TRL-4D LR (ein weitreichendes 3D-Luftraumüberwachungsradar) prüfen. Damit erweitert HENSOLDT die bereits vereinbarte Zusammenarbeit bei der Abwehr ballistischer Raketen. […] Die ukrainische Luftverteidigung braucht unsere Hochleistungsradare dringend, um zum Schutz von Infrastruktur wie Brücken beizutragen. Die Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt, um diese Unterstützung verlässlich und langfristig zu sichern.“(7)
Die HENSOLDT AG wurde 2017 als eigenständiges Unternehmen geschaffen. Sie entstand aus der Elektronik- und Sensorsparte von Airbus Defence and Space. Airbus verkaufte diese Sparte 2017 an den US-Finanzinvestor KKR; anschließend wurde sie unter dem Namen HENSOLDT weitergeführt. Die HENSOLDT AG ist vor allem auf Sensorik und Verteidigungselektronik spezialisiert.(8)
Das deutsche Unternehmen Quantum Systems hat mit der Nationalgarde und Fire Point einen Vertrag über die Erprobung und den Kauf von Abfangdrohnen für russische Jet-betriebene UAVs (unbemannte Luftfahrzeuge) unterzeichnet.(9) Quantum System ist ein privat gehaltenes Technologieunternehmen mit mehreren institutionellen und privaten Investoren aus Gilching bei München, das vor allem unbemannte Flug- und Aufklärungssysteme (Drohnen) entwickelt. Zu den genannten Investoren gehören unter anderem Balderton Capital, HENSOLDT, Airbus Defence and Space / Airbus Ventures, Porsche SE, Peter Thiel bzw. Thiel Capital, Blackstone und Noteus.(10)
Laut der Nachrichtenseite Ukrinform erklärte Selenskyj dazu wörtlich:
„Wir werden viele Bestellungen bei der deutschen Seite aufgeben. Wir haben eine gemeinsame Produktion und viele verschiedene Bereiche der Zusammenarbeit. Es ist wichtig, dass wir heute von den Tests unseres neuen Abfangjägers – des deutsch-ukrainischen SPYS-Abfangjägers – gehört haben. Der Test war erfolgreich. Wir danken Quantum Systems. Als nächstes arbeiten wir mit Siemens zusammen.“(11)
Das Energieministerium der Ukraine und Naftogaz werden mit Siemens Energy Global bei der Wiederherstellung, Modernisierung und Erhöhung der Nachhaltigkeit des ukrainischen Energiesystems zusammenarbeiten.(12) Insbesondere wird die Möglichkeit der Verwendung von 12 Siemens Energy Gasturbinenanlagen für den dezentralen Erzeugungsbedarf ausgearbeitet. Naftogaz und Siemens Energy werden in drei Bereichen zusammenarbeiten: Energiesicherheit und Infrastrukturschutz, Modernisierung von unterirdischen Gasspeichern und technische Zusammenarbeit bei der Stromerzeugung. Siemens Energy Global GmbH & Co. KG ist ein Energie- und Technologieunternehmen und eine 100%ige Tochtergesellschaft der Siemens Energy AG. Das Unternehmen entwickelt und liefert Technologien für Stromerzeugung, Energieübertragung und die Energiewende.(13)
Zudem haben sich NPC Ukrenergo und die zwei deutschen Übertragungsnetzbetreiber – 50Hertz Transmission GmbH und Amprion GmbH bereit erklärt, zusammenzuarbeiten, um den Empfang kritischer elektrischer Geräte zu beschleunigen.(14) 50Hertz Transmission GmbH gehört zu 80 % der belgischen Elia Group und zu 20 % der deutschen KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau, eine staatliche deutsche Förderbank). Amprion GmbH gehört zu 74,9 % der M31 Beteiligungsgesellschaft und zu 25,1 % der RWE Alkaios Holding.
Darüber hinaus vereinbarten Alpha Robotics Germany und der Staatliche Notdienst der Ukraine eine Zusammenarbeit bei unbemannten Systemen für Rettungsaktionen.(15) Alpha Robotics Germany GmbH & Co. KG ist ein privat gehaltenes deutsches Unternehmen für Robotiksysteme im Bereich Feuerwehr, Rettung und Sicherheit. Das Unternehmen wird von Oliver Rasche und der Alpha Robotics Germany Verwaltungs-GmbH getragen.(16)
Das deutsche Unternehmen Helsing ist ein privat gehaltenes Verteidigungs- und KI-Unternehmen, das sich stark auf künstliche Intelligenz, autonome Systeme und Drohnentechnologie konzentriert. Helsing hat eine Vereinbarung mit dem ukrainischen Unternehmen Culver Aerospace geschlossen.(17) Helsing gehört mehreren Investoren und den Gründern Torsten Reil, Gundbert Scherf und Niklas Köhler; größter Einzelinvestor ist Daniel Eks Investmentgesellschaft Prima Materia. JPMorganChase gehört ebenfalls zu den Investoren.(18)
Zudem wird das deutsche Unternehmen ARX Robotics, welches unbemannte Bodenfahrzeuge (UGVs) entwickelt mit dem ukrainischen Unternehmen ROBONEERS zusammenarbeiten. (19) UGVs dienen zum Beispiel der Aufklärung und Logistik sowie dem Verwundetentransport und zur militärischen Unterstützung. ARX Robotics GmbH ist ein privat gehaltenes deutsches Verteidigungs- und Robotikunternehmen. Die Eigentümer sind die drei Gründer Marc Wietfeld, Maximilian Wied und Stefan Roebel, die zuvor Offiziere der Bundeswehr waren und mehrere private/institutionelle Investoren, darunter HV Capital, Speedinvest und der NATO Innovation Fund.(20)
Die Ukraine ist pleite
Deutschland hat bis zum 30. Juni 2026 bereits rund 57,6 Mrd. € militärische Unterstützung für die Ukraine geleistet bzw. für die kommenden Jahre bereitgestellt. Dazu kommen mehr als 43,3 Mrd. € zivile bilaterale Unterstützung.(21) Zusätzlich existiert seit dem 18. Dezember 2025 ein EU-Darlehen, dass 90 Mrd. € für die Ukraine für 2026/27 zur Verfügung stellt.(22)
Laut des Finanzministeriums der Ukraine beliefen sich die Schulden bis zum 31. August 2026 der Ukraine auf 215,5 Mrd. US-Dollar.(23) Zusätzlich hat die Ukraine allein im Jahr 2026 einen Finanzierungsbedarf von 52 Mrd. US-Dollar. Ohne eine massive externe Finanzierung ist sie zahlungsunfähig.(24)
Kommentar
Bei seinem Besuch in Kiew erklärte Merz laut Tagesschau.de, dass die deutsche Hilfe Deutschland und Europa zugutekomme. Wörtlich sagt er:
„Die Unternehmer der Verteidigungsindustrie, die mich heute begleiten, lernen aus der ukrainischen Kriegserfahrung und umgekehrt. Deutsche und ukrainische Firmen stellen hochinnovative Joint Ventures auf die Beine. Wir werden auch bei der Drohnenabwehr noch stärker von der ukrainischen Expertise profitieren."(25)
Es wird deutlich, dass sich Friedrich Merz durch die Kriegswirtschaft einen wirtschaftlichen Aufschwung für Deutschland erhofft und gleichzeitig von der Ukraine Expertise in der Kriegsführung.
Doch in Anbetracht der finanziellen Lage der Ukraine stellt sich die Frage, was passiert, wenn die Ukraine ihre bestellten Waren aus Deutschland nicht bezahlen kann? In diesem Fall stände Deutschland wirtschaftlich noch katastrophaler da, als es jetzt schon ist. Auch, wenn man es nicht glauben möchte, doch die politischen Entscheidungen während der Coronaplandemie haben bereits einen größeren wirtschaftlichen Schaden in Deutschland hinterlassen als nach dem Zweiten Weltkrieg.
Eine Kriegswirtschaft sollte nie als Lösung für wirtschaftliche Probleme in Betracht gezogen werden – aus zweierlei Gründen. Zum einen bedeutet eine Kriegswirtschaft eine Vorbereitung auf einen Krieg, welches nie ein Ziel sein sollte und zum anderen ist diese florierende Wirtschaft, falls es gelingt, nur von kurzer Dauer und der letzte Aufschwung vor dem Fall. Ein Krieg wird immer zu Verlusten führen, egal auf welcher Seite gekämpft wird. Besorgniserregend ist in diesem Fall, dass sich Deutschland immer mehr zur Zielscheibe für einen potentiellen russischen Rückschlag macht und zwar bewusst. Die deutschen Politiker scheinen sich nach einem Krieg mit Russland förmlich zu sehnen. Sie reden ihn nicht nur ständig herbei, sondern agieren so, dass es am Ende nicht unwahrscheinlich ist, dass sich Russland doch gegen die deutschen Politiker wehrt.
Es ist jedoch auch durchaus denkbar, dass der wirtschaftliche Untergang Deutschlands bewusst vorangetrieben wird, da ab 2027 der E-Euro eingeführt werden soll. Um eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung für eine digitale Währung zu schaffen, muss es dem Land und den Menschen darin so schlecht gehen, dass sie sich nach einer Rettung sehnen und die Politiker um eine Lösung anflehen. Diese können dann, als Retter in der Not, die geplante „Lösung“ dieser selbst herbeigeführten Krise präsentieren, welche jedoch einer „Giftpille“ gleichkommt, die die Bevölkerung hoffentlich nicht wieder bereitwillig schlucken wird. Denn diese wird eine neue aber ausschließlich digitale Währung sein, die die Menschen in ein nie endendes Gefängnis lockt. Ständige Überwachung, keine Freiheit und keine einzige Entscheidung, die privat und ohne Zustimmung des Staates getroffen werden kann. Privatsphäre wird es nicht mehr geben.
Quellen und Anmerkungen
(1) https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bundeskanzler-merz-in-kyjiw-2455606
(2) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/merz-kiew-106.html
(5) https://new.diehl.com/defence/de/produkte/bodengebundene-luftverteidigung/evolution-of-iris-t
(7) https://www.hensoldt.net/de/news/hensoldt-strengthens-ukraines-air--defence
(8) https://www.airbus.com/en/newsroom/press-releases/2017-03-airbus-completes-divestment-of-its-defence-electronics-unit-to-kkr; https://investors.hensoldt.net/news/hensoldt-publishes-its-2025-annual-report/d1cbe960-8dd5-42f1-bf2a-66bdc4a6efc0
(10) https://quantum-systems.com/news/quantum-systems-raises-euro160m/
(14) https://www.kmu.gov.ua/news/ukraina-i-nimechchyna-uklaly-novi-uhody-dlia-vidnovlennia-ta-modernizatsii-enerhetyky; https://www.ukrinform.net/amp/rubric-economy/4170991-ukraine-germany-sign-series-of-defense-industry-cooperation-agreements.html
(16) https://fusionbase.com/de/data/organization/98a255869c4c7724e87a21c9249cd4f5/Alpha%20Robotics%20Germany%20Verwaltungs-%20GmbH; https://www.alpha-robotics.de/de/impressum
(17) https://www.president.gov.ua/news/ukrayina-ne-lishe-otrimuye-dopomogu-j-kupuye-u-nimechchini-s-106733; https://www.ukrinform.net/amp/rubric-economy/4170991-ukraine-germany-sign-series-of-defense-industry-cooperation-agreements.html
(20) https://www.arx-robotics.com/investors
(24) https://anti-spiegel.ru/2026/der-ukrainische-bundeskanzler-friedrich-merz/
(25) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/merz-kiew-106.html
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Dank an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Berlin, 15. Dezember 2025. Besuch des Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Zelensky, und anderer europäischer Staatschefs im Bundeskanzleramt in Berlin.
Bildquelle: Juergen Nowak / shutterstock
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