Warum dieses Wort
Ein Meinungsbeitrag von Dirk Ellerbrock.
Es gibt Wörter, die treffen, und Wörter, die verfehlen, weil sie zu grob und zu schnell beim Urteil sind. „Soziopathie“ klingt nach der zweiten Sorte: nach Klinik, nach Diagnose, nach einem Befund, den man stellt, um jemanden zu erledigen. Ich verwende es trotzdem, und zwar bewusst als Zumutung, weil es etwas festhält, das mit milderen Wörtern entweicht. Gemeint ist keine Person, sondern eine Ordnung, und gemeint ist nicht fehlendes Mitgefühl, sondern etwas Genaueres: eine Ordnung, die nicht mehr spürt, was sie anrichtet.
Wer tiefer in die Sozialwissenschaft hineinschaut, findet dafür bereits Begriffe, und ich will sie nennen, damit niemand glaubt, hier werde das Rad neu erfunden. Marx beschrieb den Warenfetischismus: Das Verhältnis zwischen Menschen, die füreinander arbeiten, erscheint als Verhältnis zwischen Dingen, nämlich als Preis, und Dinge kann man nicht ausbeuten, nur nutzen. Georg Lukács nannte denselben Vorgang Verdinglichung. Ulrich Beck sprach von „organisierter Unverantwortlichkeit“: Jeder Beteiligte handelt regelkonform, und trotzdem ist am Ende niemand zuständig. Der Soziologe Stanley Cohen untersuchte in „States of Denial“, wie Gesellschaften etwas wissen und zugleich nicht wissen können. Stephan Lessenich schließlich beschreibt unsere Wohlstandsgesellschaft als Externalisierungsgesellschaft: Sie ist nur so wohlhabend, weil sie ihre Kosten, ökologische wie soziale, systematisch anderswohin verlagert.
Was bleibt dann für das Wort „Soziopathie“ übrig? Es betont die Rückkopplung. Ein lebendiges System, ein Körper etwa, korrigiert sich, weil die Folgen seines Handelns bei ihm ankommen: Schmerz ist eine Rückmeldung. Eine Ordnung, bei der die Rückmeldung zuverlässig abgeschnitten ist, die also nie erfährt, was ihre Entscheidungen anderswo bewirken, verhält sich wie ein Mensch ohne Schmerzempfinden. Er verletzt sich unaufhörlich, ohne es zu merken, und wird gerade dadurch gefährlich. Das ist die Pointe der Begriffswahl, und sie ist, anders als die klinische Diagnose, keine Charakterfrage. Aktionäre, Beamte und Offiziere dürfen durchaus mitfühlende Menschen sein. Die Struktur braucht keinen Soziopathen, sie macht sich ihre Funktionsträger passend.
Eine Warnung gehört gleich dazu. Wer einer Ordnung „Soziopathie“ zuschreibt, wirkt, als verurteile er. Das soll hier nicht geschehen, und es lohnt, sich das genauer anzusehen. Ein Urteil spaltet in Gut und Böse und verlangt Strafe. Eine Beschreibung fragt, wodurch eine Ordnung stabil bleibt und was ihre Teile zu dem veranlasst, was sie tun. Die Wörter „Gewalt“ und „Zwang“ verwende ich im Folgenden als Strukturbegriffe: Es gibt Verhältnisse, in denen jemand nicht anders kann, als zu liefern, zu arbeiten oder zu schweigen. Das ist ein Befund, keine Anklage. Ob jemand die Anklage daraus macht, ist eine andere Frage, und sie wird am Schluss noch einmal wichtig.
Die These: Wissen ist verteilt, nicht abwesend
Der naheliegende Einwand gegen den Begriff lautet: Heute weiß doch jeder alles. Die Bilder aus Gaza und aus der Ukraine laufen live, die Kolonialverbrechen sind aufgearbeitet, in Museen ausgestellt, in Gedenkreden beklagt. Wie soll eine Ordnung „nicht sehen“, die so gut dokumentiert ist?
Der Einwand ist richtig, und er zwingt zu einer genaueren These. Die Ordnung, um die es geht, leidet nicht an einem Mangel an Wissen. Sie erzeugt eine Verteilung von Wissen, und diese Verteilung ist ihre Funktion. Drei Positionen lassen sich unterscheiden.
Die erste Position gehört denen, die den Betrieb führen: Nachrichtendienste, Militärapparate, Rechtsabteilungen, Beratungsfirmen. Sie wissen sehr genau, was geschieht, und ein Teil ihrer Arbeit besteht darin, dafür zu sorgen, dass es andere nicht wissen müssen. Das Fachwort heißt „plausible deniability“, glaubwürdige Abstreitbarkeit: Eine Operation wird so angelegt, dass sich ihre Urheber im Zweifel auf Nichtwissen berufen können. Wer Abstreitbarkeit plant, weiß. Hier liegt Zynismus vor, im Sinn von Wissen ohne Skrupel, und das soll nicht verwischt werden.
Die zweite Position gehört den Nutznießern am Ende der Kette: dem Aktionär, der Verbraucherin, dem Wähler. Sie wissen es nicht im praktischen Sinn, weil ihre Informationsbahnen so gebaut sind, dass die Folgen nicht darin vorkommen. Ein Aktionär eines Bergbaukonzerns liest den Geschäftsbericht. Darin stehen Rendite und Dividende; die vergifteten Flüsse und vertriebenen Dörfer stehen in einem anderen Bericht, den nur liest, wer ohnehin schon Bescheid weiß.
Die dritte Position, und sie ist die interessanteste, gehört denen, die wissen und trotzdem nichts daraus folgt. Das ist die Welt der Gedenktage, Museen und Entschuldigungen. Das Wissen ist vorhanden, nur ist es von jeder Konsequenz getrennt.
Alle drei Positionen zusammen ergeben das, was ich organisierte Folgenlosigkeit nenne. Man kann das an einem frühen Fall ablesen. 1904 legte der britische Konsul Roger Casement einen amtlichen Bericht über die Zustände im Kongo vor, die Adam Hochschild später in „King Leopold’s Ghost“ erzählt hat: Zwangsarbeit auf den Kautschukplantagen, Verstümmelungen, Hunderttausende Tote. Der Bericht war öffentlich, in Großbritannien entstand eine breite Reformbewegung. Die Folge nach einigen Jahren war, dass der Kongo 1908 vom Privatbesitz König Leopolds in eine belgische Staatskolonie überführt wurde. Das Wissen war da, und auch der Wille, etwas zu tun; was fehlte, war ein Weg, auf dem beides die Struktur selbst hätte verändern können. Die Form wechselte, die Herrschaft blieb. Dieses Muster wird uns wieder begegnen.
Vier Mechanismen der gekappten Rückkopplung
Wodurch wird eine Ordnung so? Vier Mechanismen wirken zusammen.
Der erste ist die Arbeitsteilung. Je komplexer eine Wirtschaft ist, desto länger werden die Vermittlungsketten zwischen Entscheidung und Folge: Zulieferer, Dienstleister, Tochtergesellschaften, Subunternehmer. Jede Stufe nimmt einen Teil der Verantwortung auf sich und gibt einen Teil ab. Am Ende stehen alle in der Kette korrekt da, und doch ist niemand zuständig.
Der zweite ist die Distanz, aber nicht als mangelnde Information, sondern als Distanz der Zuständigkeit. Was an einem fernen Ort geschieht, ist nicht mein Ressort, nicht mein Wahlkreis, nicht mein Budget. Wir können es sehen und doch nicht damit befasst sein.
Der dritte Mechanismus ist die Sprache. Die Sprache der Ökonomie spricht von Wachstum, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Sie nennt keine Gewalt und keinen Tod, nicht aus bösem Willen, sondern weil ihre Kategorien dafür keinen Platz haben. Was sich nicht im Vokabular findet, kann auch nicht bilanziert werden.
Der vierte ist die Normalisierung. Was lange genug besteht, erscheint als Natur. Die Ungleichheit zwischen Zentren und Peripherien besteht seit Jahrhunderten, und wer in ihr aufwächst, hält sie für den Normalzustand der Welt. Was als Naturzustand gilt, wird nicht zum Gegenstand von Politik.
Daraus folgt eine Einsicht, die man leicht überhört: Die Verleugnung ist nicht das, was diese Ordnung stört. Sie ist ihre Arbeitsgrundlage. Eine Ordnung, die ihre Folgen wahrnähme, müsste sich ändern; eine Ordnung, die sich ändern müsste, könnte nicht so weitermachen wie bisher; die Zentren, die Fraktionen, die Eliten haben aber ein Interesse daran, dass es weitergeht. Das ist keine Verschwörung. Niemand muss sich dafür absprechen. Es genügt, dass jede Position in der Kette ihr eigenes Interesse verfolgt und die Struktur die Folgen entsorgt. Die Verleugnung muss nicht beschlossen werden, sie stellt sich ein, weil sie funktional ist.
Warum von Kolonialismus die Rede ist
Der Begriff des Kolonialismus meint hier mehr als die formale Herrschaft europäischer Staaten über Territorien bis in die 1960er Jahre. Er meint ein Verhältnis zwischen Zentren und Peripherien, das sich in dieser Zeit herausbildete und nach der Entkolonisierung fortbestand. Die sozialwissenschaftliche Tradition hat dafür Beschreibungen geliefert, die man kennen sollte: Die Dependenztheorie (etwa Raúl Prebisch und André Gunder Frank) zeigte, dass die Rohstoffländer auf Dauer schlechter stehen, weil sich die Preise ihrer Ausfuhren schwächer entwickeln als die der Industriegüter, die sie einführen müssen. Arghiri Emmanuel und Samir Amin sprachen vom „ungleichen Tausch“: In den Austausch von Waren fließt mehr Arbeit und Ressource aus der Peripherie ins Zentrum, als umgekehrt zurückkommt. Immanuel Wallerstein fasste das als „Weltsystem“ zusammen, in dem Zentrum, Halbperipherie und Peripherie funktional aufeinander bezogen sind.
Was sich geändert hat, ist die Form. Aus der territorialen Aneignung wurde strukturelle Abhängigkeit, aus der direkten Verwaltung indirekte Kontrolle, aus dem Tribut die Schuld, aus der Zwangsarbeit ein formal freier Arbeitsmarkt, der materiell unfrei bleibt, weil die Alternative zum Lohn die Armut ist. Auch die Sprache hat gewechselt: Man sagt „Entwicklungsland“, nicht „Kolonie“, man sagt „Partnerschaft“, nicht „Unterwerfung“. Die These dieses Textes lautet deshalb: Der Kolonialismus ist nicht vergangen, er ist umbenannt worden, in Weltwirtschaft, Globalisierung, internationale Ordnung. Und die oben beschriebene organisierte Folgenlosigkeit ist die Eigenschaft, die ihm das Überleben unter neuen Namen ermöglicht.
Das lässt sich auf drei Ebenen verfolgen: der ökonomischen, der politischen und der ideologischen.
Die ökonomische Ebene: Aneignung, die sich als Vertrag versteht
Die erste Ebene ist die materielle Basis. Die Formen der Aneignung wurden legalisiert: Aus der Enteignung wurde ein Vertrag, aus dem Raub eine Investition. Wer Rohstoffe fördert, tut es im Rahmen von Konzessionen, die ein Staat vergeben hat, oft unter Druck, oft in Abhängigkeit von Krediten. Alles ist formal in Ordnung, und gerade deshalb entsteht Folgenlosigkeit: Es gibt kein Unrecht, das jemand begangen hätte, nur Verträge, die erfüllt werden.
Ein besonders deutlicher Fall dieser Ebene ist die Verbindung von Wirtschaft und Krieg. Das „Costs of War“-Projekt der Brown University schätzt, dass die seit 2001 geführten Kriege gegen den Terror, in Afghanistan, Pakistan, Irak, Syrien, Jemen und weiteren Ländern, rund 940.000 direkte Todesopfer gefordert haben; die indirekten Toten durch Hunger, Krankheit und zusammengebrochene Gesundheitssysteme liegen weit darüber, und die Kosten werden auf etwa 8 Billionen Dollar beziffert. Wichtiger als die Summe ist die Frage nach der Funktion. Ein Krieg, der zwei Jahrzehnte dauert, jedes Ziel verfehlt und dennoch nicht beendet wird, ist als Fehlschlag schwer zu erklären. Man versteht ihn besser über die Positionen, die an seiner Fortdauer hängen: Rüstungsbudgets, Beratungsaufträge, Wiederaufbauverträge, militärische Laufbahnen. Keine dieser Positionen braucht einen Sieg; sie brauchen Fortdauer. Das erklärt, warum ein „beendeter“ Krieg in anderer Gestalt weitergeht: In Afghanistan kehrten die Taliban 2021 an die Macht zurück, und die Aufmerksamkeit der Apparate war längst bei anderen Schauplätzen. Entscheidend ist, dass für diese Erklärung niemand einen großen Plan unterstellen muss. Es genügt, dass sich ein Gefüge von Interessen selbst stabilisiert.
Europa zeigt dieselbe Struktur im Kleineren. Frankreich beteiligte sich nach eigener Darstellung im Dezember 2025 von Abidjan aus an der Abwehr eines Putschversuchs in Benin, mit Überwachung und logistischer Unterstützung. Das Beispiel gehört hierher, weil es zeigt, wie ein Land nach dem öffentlichen Abschied von der Interventionspolitik, den Präsident Macron 2023 verkündet hatte, in der Sache bei ihr bleibt und nur die Sprechweise ändert.
Die politische Ebene: Souveränität ohne Substanz
Die ehemaligen Kolonien sind heute souveräne Staaten mit Flaggen, Parlamenten, Sitzen in den Vereinten Nationen. Völkerrechtlich sind sie frei. Aber die Bedingungen, unter denen sie handeln, setzen sie nicht selbst; sie ergeben sich aus Verschuldung, aus den Auflagen internationaler Kreditgeber, aus Sanktionsdrohungen und aus der Abhängigkeit von Märkten. Die Fachsprache nennt das Konditionalität: Kredite werden an wirtschaftspolitische Bedingungen geknüpft, und die sogenannten Strukturanpassungsprogramme verlangen etwa Haushaltskürzungen und Marktöffnung.
Man kann das an einem Fall zeigen, in dem es sichtbar wird, weil jemand dagegen angeht. Ein rohstoffreiches Land will seine Bodenschätze selbst verarbeiten, statt sie roh auszuführen, denn dort liegt die Wertschöpfung. Indonesien verbot 2020 die Ausfuhr unverarbeiteten Nickelerzes, um eine eigene Verarbeitungsindustrie aufzubauen. Die Welthandelsorganisation (WTO) gab 2022 einer Klage der Europäischen Union recht; Indonesien legte Berufung ein, und weil das Berufungsgremium der WTO seit Dezember 2019 nicht mehr beschlussfähig ist, verläuft diese Berufung im Leeren. Das Beispiel ist lehrreich, weil es beides zeigt: Der Druck der Zentren ist real, und er lässt sich nur dort unterlaufen, wo ein Land über genug Marktmacht verfügt, dass andere auf seine Lieferungen angewiesen sind. Die meisten Länder der Peripherie haben diese Macht nicht.
Neben Schulden und Handelsrecht gibt es zwei weitere Instrumente, die formale Souveränität unterlaufen. Sie haben eine gemeinsame Aufgabe: das Nicht-Sehen abzusichern.
Das erste sind die Nachrichtendienste. Nach den von Edward Snowden enthüllten Dokumenten haben britische und amerikanische Dienste zahlreiche afrikanische Staaten überwacht, darunter Regierungsmitglieder, Oppositionelle, Geschäftsleute und Hilfsorganisationen. Wo Kommunikation mitgelesen wird, ist Souveränität auf der Ebene der Vorabinformation angetastet: Man weiß, dass ein Präsident abweichen wird, bevor er es selbst weiß.
Noch direkter ist ein Fall aus Kenia. Nach Recherchen von Declassified UK unterhielt die CIA dort seit 2004 eine Polizeieinheit von rund sechzig Mann, geführt von einem paramilitärischen Verbindungsmann der US-Botschaft, die außergerichtliche Tötungen und sogenannte Renditions, also Verschleppungen ohne Verfahren, durchführte. Im Oktober 2012 schoss die Einheit in Mombasa aufgrund falscher Informationen einem unbeteiligten Bankangestellten in den Kopf; die Familie erhielt 2024 vor Gericht eine Entschädigung zugesprochen.
Der frühere kenianische Vizepräsident Kalonzo Musyoka sagte öffentlich, man lasse solche Tötungen zu, weil Kenia im Krieg gegen den Terror an der Seite des Westens stehe. Das Entscheidende ist nicht das Ausmaß, sondern die Bauart: Die Toten sind „Terroristen“, die Überlebenden wissen nicht, wer den Befehl gab, und im öffentlichen Register existiert die Tat nicht.
Das zweite Instrument ist die Stiftungs- und Entwicklungsfinanzierung. Gemeint sind Geld, Ausbildung und Diskurs: Finanzierung von Justizreformen, Medienprojekten, Menschenrechtsorganisationen, die als „Zivilgesellschaft“ auftreten. Das ist nicht per se illegitim; vieles davon ist ehrlich gemeint und nützlich. Strukturell bemerkenswert ist jedoch die Funktion, die sich einstellt, wenn Geber aus den Zentren darüber mitbestimmen, welche gesellschaftlichen Akteure im Land überhaupt Mittel haben. Politische Einflussnahme erscheint dann als technische Hilfe, und ein Regierungswechsel kann als „Wille des Volkes“ gelesen werden, ob er es war oder nicht. Die Spur der Einflussnahme ist verwischt, übrig bleibt die Sprache von guter Regierungsführung und Demokratieförderung.
Wer das untersucht, darf sich nicht auf einen Namen beschränken. Die Open Society Foundations des Investors George Soros sind in der Debatte der bekannteste Fall, und afrikanische Regierungen haben sie wiederholt der Einmischung beschuldigt; 2023 schloss die Stiftung Büros in mehreren afrikanischen Ländern. Aber sie ist nur eine unter vielen Akteuren: Dazu gehören staatliche Stellen wie die amerikanische Entwicklungsbehörde USAID, die 2025 weitgehend abgewickelt und in das Außenministerium eingegliedert wurde, die Stiftung National Endowment for Democracy, die deutschen Parteistiftungen und große private Stiftungen wie die von Bill und Melinda Gates. Ob die Abwicklung von USAID die Funktion beendet oder nur verlagert, ist offen. Als Typus bleibt der Mechanismus analysierbar, und er gilt unabhängig davon, wer ihn bedient.
Die ideologische Ebene: Erinnerung ohne Konsequenz
Die dritte Ebene ist die, auf der die dritte Wissensposition sichtbar wird. Hier ist nichts verborgen. Die Verbrechen der Kolonialzeit sind dokumentiert, die Entschuldigungen formuliert, die Museen eröffnet. Kaum ein europäischer Staat hat sich nicht irgendwann für seine koloniale Vergangenheit entschuldigt. Und doch bleiben die Ungleichheit, die Abhängigkeit und die Aneignung bestehen.
Man könnte das für Heuchelei halten, doch das trifft es nicht, denn die Trauer ist oft aufrichtig. Es handelt sich um eine Erinnerung, die ihre Funktion in der Selbstberuhigung hat. Wer weiß und bedauert, scheint damit schon etwas getan zu haben. „Wir wissen, was geschah, wir bedauern es, wir sind nicht mehr so“: Dieser Satz entlässt aus dem Handeln, weil er die Vergangenheit abschließt und die Gegenwart davon trennt. Bewusstsein ist hergestellt, aber es hängt an keiner Entscheidung. Die Erinnerungskultur ist damit Teil der Struktur, die sie beklagt: Sie erhält das Wissen am Leben und hält es zugleich folgenlos.
Françafrique: Formwandel an einem Beispiel
Wenn ein Beispiel diese Dynamik besonders greifbar macht, dann ist es Françafrique, das Geflecht aus wirtschaftlichen, währungspolitischen, militärischen und politischen Bindungen zwischen Frankreich und seinen früheren Kolonien. Es ist kein verstecktes System. Ich lese es hier nicht als das schlimmste Beispiel, sondern als eines, an dem sich der Formwandel gut verfolgen lässt: Die Struktur zieht sich dort zurück, wo Widerstand wirksam wird, und hält sich dort, wo er fehlt.
In der Wirtschaft sind französische Konzerne in vielen Energie- und Rohstoffsektoren stark präsent, etwa TotalEnergies und Engie. Im Niger kam es zum Konflikt mit dem Uranunternehmen Orano, dem die Militärregierung Abbaulizenzen entzog; das Uran aus dem Niger versorgt seit Jahrzehnten französische Kernkraftwerke, während ein großer Teil der Bevölkerung des Landes keinen Zugang zu Strom hat.
Bei der Währung lohnt die Differenzierung. Der CFA-Franc, die Währung vieler frankophoner Staaten Westafrikas (der Name steht für „Franc de la Communauté Financière d’Afrique“), war lange an den französischen Franc gebunden, heute ist er an den Euro gekoppelt. Bis 2019 musste die westafrikanische Zentralbank die Hälfte ihrer Reserven bei der französischen Staatskasse hinterlegen, und Frankreich saß in ihren Leitungsgremien. Die 2019/20 beschlossene Reform strich beides; die Bindung an den Euro und die Garantie durch Frankreich blieben. Der Fall zeigt den Formwandel in ungewöhnlicher Klarheit: Die sichtbarsten Zeichen der Kontrolle wurden abgeschafft, die Struktur der Anbindung blieb. Für die zentralafrikanische Währungsunion gilt eine ähnliche Konstruktion. Die Währungssouveränität, also das Recht, selbst über Geldmenge und Wechselkurs zu entscheiden, ist deshalb nach wie vor eingeschränkt, nur anders begründet.
Auch beim Militär zeigt sich ein Rückzug mit Restbestand. Frankreich musste in den letzten Jahren aus Mali, Burkina Faso und dem Niger abziehen und hat 2025 Stützpunkte im Tschad und im Senegal übergeben; auch in der Côte d’Ivoire wurde ein Stützpunkt an die einheimischen Streitkräfte übergeben. Geblieben sind vor allem Dschibuti mit rund 1.500 Soldaten und kleinere Kontingente in Gabun. Das ist, so weit ich das beurteilen kann, weniger eine Neustationierung als eine Konzentration auf die verbleibenden Standorte, und genau darin liegt das Argument: Wo der Widerstand fehlt, bleibt die Präsenz, wo er wirkt, endet sie.
Zwei Bewegungen: die koloniale Fantasie und die Selbstimmunisierung der Oligarchen
Seit einigen Jahren sind die Zentren selbst in Bewegung geraten, und zwar in zwei Richtungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.
Die erste ist die koloniale Fantasie: die Vorstellung, die alte Ordnung sei wiederherstellbar, in der der Westen die Welt nach seinem Bild gliederte. Sie zeigt sich in Äußerungen über eine Aufteilung Russlands, wie sie auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas getan hat, in Trumps Zugriffsfantasien auf Grönland, Panama und Kanada und in der Rede von einer „regelbasierten Ordnung“, deren Regeln niemand zur Abstimmung gestellt hat. Man kann sie als Rückgriff lesen: Die Ordnung von 1884, dem Jahr der Berliner Kongokonferenz, auf der die europäischen Mächte Afrika unter sich aufteilten, wird nicht beim Namen genannt, aber in der Sprache fortgeführt. Die koloniale Fantasie ist keine Politik im eigentlichen Sinn, sondern eine Kompensation: Sie ersetzt reale Machtverluste, etwa gegenüber China oder dem Globalen Süden, durch Bilder dessen, was einmal möglich war.
Die zweite ist die Selbstimmunisierung der Oligarchen: die Art, wie die herrschenden Fraktionen sich gegen den Niedergang absichern. Gemeint sind Branchen wie Rüstung, Öl und Gas, Pharma und Digitalkonzerne, die ihre Stellung politisch festschreiben. Der Begriff „militärisch-industrieller Komplex“ stammt von Präsident Eisenhower, der 1961 in seiner Abschiedsrede davor warnte, dass Rüstungsindustrie und Staat zu einem Block verschmelzen, der sich demokratischer Kontrolle entzieht. Auch das ist keine Verschwörung. Die Fraktionen verfolgen jeweils eigene Interessen, und weil diese Interessen sich nicht von selbst zusammenfügen, braucht es einen Schiedsrichter: Man kann Trumps Politik der individuell vergebenen Zölle, Subventionen und Ausnahmen so lesen, dass er zwischen den Fraktionen vermittelt.
Beide Bewegungen sind verbunden. Die Fraktionen haben kein gemeinsames Interesse, aber sie brauchen eine gemeinsame Erzählung, und die koloniale Fantasie liefert sie: Es gehe nicht um Öl gegen Agrar oder Tech gegen Auto, sondern um Demokratie gegen Autokratie, um Freiheit gegen Despotismus. In dieser Sprache werden Partikularinteressen als Allgemeininteresse ausgegeben. Umgekehrt entsteht die koloniale Fantasie aus den Fraktionskämpfen, denn jede Fraktion braucht eine Begründung dafür, warum ihre Privilegien erhalten bleiben sollen. Warum soll Öl subventioniert werden? Weil Russland eine Bedrohung ist. Warum sollen Tech-Konzerne geschont werden? Weil China eine Bedrohung ist. Es handelt sich um zwei Momente einer Bewegung, des Niedergangs, in der Überbau und Basis einander stützen. Das Ergebnis ist eine herrschende Klasse, die für ihre eigene Lage keine ehrliche Sprache hat, und eine Bevölkerung, die den Preis dafür zahlt, ohne zu erfahren, wofür.
Drei Konsequenzen
Die erste betrifft den, der das benennt. Er wird zum Störfall, weil er die Verleugnung durchbricht. Die Ordnung antwortet selten mit Gegenargumenten, häufiger mit Statusabwertung: Er sei „unseriös“, „ideologisch“, „antiamerikanisch“, „putinistisch“. Man muss an dieser Stelle ehrlich bleiben, denn der Gedanke ist anfällig für Selbstbestätigung: Wenn jede Ablehnung als Beweis gilt, ist die These unangreifbar, und eine unangreifbare These ist selten eine gute. Ein brauchbares Kriterium wäre dieses: Verleugnung liegt dort vor, wo auf einen Befund nicht mit einem Gegenbefund geantwortet wird, sondern mit der Abwertung des Sprechers. Das Kriterium ist unvollkommen, denn auch unseriöse Sprecher werden abgewertet, aus guten Gründen. Es verlangt von dem, der es anwendet, die Prüfung, ob er sich auf Befunde stützt oder nur auf seine Ausgrenzung.
Die zweite betrifft die Frage nach der Reform. Wenn eine Ordnung nicht wahrnimmt, kann man ihr nicht einfach sagen, was sie ändern soll. Die Frage ist, was die Rückkopplung wiederherstellt, was also Folgen dort ankommen lässt, wo über sie entschieden wird. Das können Krisen sein, die sie nicht verwalten kann, oder Institutionen, die den Weg der Folgen verkürzen.
Die dritte betrifft die, die den Preis zahlen. Was folgt für sie? Es wäre ein Fehler, sie nur als Opfer zu behandeln, denn sie handeln. Die Regierungen der drei Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger haben sich von Frankreich ab- und anderen Partnern zugewandt, Indonesien baut eine Nickelindustrie auf, und eine Reihe von Staaten verhandelt außerhalb der klassischen Finanzinstitutionen. Diese Schritte sind real, aber doppelt zu lesen: Sie verringern eine Abhängigkeit und können eine andere vergrößern. Das gilt es genau zu betrachten, und der Schluss tut es.
Jenseits des Froschkönigs
Es gibt ein Märchen, das sich hartnäckig hält, auch in der politischen Fantasie. Die Prinzessin wirft den Frosch gegen die Wand, und der Prinz ist erlöst: ein Akt der Gewalt, und alles wird gut, ohne Zwischenschritte und ohne Jahre des Lernens. Diese Fantasie ist nicht nur naiv, sie ist strukturell falsch. Die Ordnung, von der hier die Rede ist, ist kein verzauberter Prinz. Sie ist ein Verhältnis, das sich in Institutionen, Sprache und Selbstverständlichkeiten verfestigt hat. Man kann sie nicht gegen die Wand werfen, man kann sie nur unterlaufen, und zwar auf zwei Ebenen, die zusammengehören.
Was sie verbindet, ist die Figur, die diesen Text durchzieht: die Rückkopplung. Auf der individuellen Ebene geht es darum, die Kette aus Wahrnehmung, Urteil, Impuls und Reaktion wieder zu spüren, die so schnell abläuft, dass wir sie für die Wirklichkeit halten. Auf der politischen Ebene geht es darum, die Folgen von Entscheidungen wieder dorthin zu tragen, wo entschieden wird. Beide stellen das Spüren der Folgen wieder her. Beide sind Entsprechungen, nicht dasselbe.
Der individuelle Weg: das Urteil verlangsamen
Meditation, verstanden nicht als Entspannungstechnik, sondern als Übung, das automatische Urteilen zu unterbrechen, verlangsamt diese Kette. Man setzt sich hin, und in der Stille wird der Lärm erst hörbar: Der Geist urteilt, plant, bereut. Die Anweisung lautet, nicht einzugreifen und nicht zu bewerten, sondern nur zu sehen. In dem Moment, in dem der Gedanke „Das war dumm“ nicht mehr als Wahrheit geglaubt oder bekämpft, sondern nur bemerkt wird, entsteht ein Abstand, und man wird zum Zeugen des eigenen Urteilens. Der Perfektionist sieht den Kontrollzwang kommen und gehen, der Anerkennungssüchtige beobachtet die Gier nach Lob, ohne ihr zu folgen.
Was bleibt, wenn das Urteil schweigt? Nicht das Nichts, sondern eine Handlungsweise, die nicht aus der Regel kommt, sondern aus der Situation. Es ist der Impuls, die Hand auszustrecken, nicht weil man etwas für „gut“ hält, sondern weil man das Lebendige im anderen als das Lebendige in einem selbst erkennt. Meister Eckhart sprach in diesem Zusammenhang von der „Fülle der Zeit“, dem Augenblick, in dem nichts mehr werden muss. Man sollte dem keine Garantie unterstellen: Auch Handeln aus Gewahrsein kann irren, und wer es für unfehlbar hält, hat das Ich nur umbenannt. Ebenso wenig lässt sich belegen, dass jemand, der übt, gegen Propaganda gefeit wäre oder dem Konsum entkäme. Vermutlich verringert sich die Empfänglichkeit, aber das ist eine Vermutung. Doch wer gelernt hat, das eigene Urteilen zu beobachten, ist weniger anfällig dafür, es mit der Wirklichkeit zu verwechseln.
Der globalpolitische Weg: Institutionen, die Folgen zurückbringen
Eine Ordnung wird nicht durch Meditation verändert, sondern durch Institutionen oder gar nicht. Das ist der Punkt, an dem die Gruppe der BRICS-Staaten ins Spiel kommt. BRICS steht für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, später kamen weitere Mitglieder hinzu; je nach Zählung sind es heute elf. Ich betrachte sie nicht als Retter und nicht als Froschkönig, sondern als Versuch, Alternativen aufzubauen, langsam, widersprüchlich und mit eigenen Interessen.
Die Eckdaten sind beachtlich, sofern man den BRICS-Angaben und den auf ihnen beruhenden Analysen folgt: knapp die Hälfte der Weltbevölkerung und etwa 40 Prozent der Weltwirtschaftsleistung, gemessen in Kaufkraftparität (das heißt, die Leistung wird nicht zu Wechselkursen umgerechnet, sondern danach bewertet, was man im jeweiligen Land für das Geld kaufen kann; zum Vergleich werden den G7-Staaten etwa 28 Prozent zugeschrieben). Der Handel der Mitglieder untereinander erreichte 2024 etwa 1,17 Billionen Dollar. Diese Zahlen sagen allerdings wenig über die Richtung. Interessanter sind die konkreten Bausteine, die in der Abschlusserklärung von Neu-Delhi 2026 stehen, soweit sie zutreffend wiedergegeben ist.
Paragraph 102 sieht „Multilaterale Garantien“ innerhalb der Neuen Entwicklungsbank vor, einen Mechanismus, der privates Kapital mobilisieren und die Finanzierungskosten senken soll. Das klingt technisch, ist aber politisch: Ein Finanzministerium, das 9 Prozent Zinsen für eine Stromleitung zahlt, braucht keine neue Weltordnung, sondern einen niedrigeren Zinssatz. Ein Prozentpunkt weniger, und viele blockierte Vorhaben werden finanzierbar. Paragraph 60 hält die BRICS-Getreidebörse am Leben und öffnet sie für weitere Rohstoffe. Die Mitglieder erzeugen mehr als 40 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel, aber kaum etwas davon wird in ihren Händen bepreist, weil die Preisreferenzen in Chicago und Paris festgelegt werden. Paragraph 20 fordert die sofortige Wiederherstellung des zweiinstanzlichen Streitbeilegungsverfahrens der WTO, also des Berufungsgremiums, das im Dezember 2019 beschlussunfähig wurde. Für kleine Handelsnationen ist das mehr wert als jede Erklärung über eine gerechtere Ordnung, denn ohne eine zweite Instanz kann der Stärkere jedes Urteil durch Nichtbefolgung entwerten. Die Neue Entwicklungsbank hat in ihrem ersten Jahrzehnt über 130 Vorhaben mit rund 42 Milliarden Dollar genehmigt; 2025 entfiel mit 45,9 Prozent ein Rekordanteil der Genehmigungen auf Kredite in Landeswährung, das heißt Kredite, bei denen das Wechselkursrisiko nicht allein beim Schuldner liegt.
Das alles ist Institutionenaufbau, und er hat mit Rückkopplung zu tun, weil er Entscheidungswege verkürzt: Wer Preise bildet, wer Streit schlichtet und wer Kredite vergibt, sitzt näher an denen, die davon betroffen sind. Eine nüchterne Betrachtung muss jedoch dieselbe Frage an BRICS stellen wie an jede andere Ordnung, nämlich nach den Interessen. Die Mitglieder sind alles andere als gleichgerichtet: Indien und China haben einen Grenzkonflikt, die Golfmonarchien verfolgen andere Interessen als Brasilien, und Russland und China führen zwar die Debatte, sind aber selbst Zentren mit eigenen Peripherien. Die Erklärung selbst räumt ein, dass chinesische Renminbi-Projekte die Kreditvergabe der Entwicklungsbank dominieren. Ob das die Abhängigkeit von einem Zentrum durch die von einem anderen ersetzt, ist eine offene Frage, und sie ist keine Randnotiz. Wenn der Satz „BRICS will nicht herrschen, sondern ermöglichen“ als Selbstbeschreibung stimmt, dann ist er zu prüfen an der Frage, wie viel Vetomacht Partnerländer wie Burundi (als Vorsitzland der Afrikanischen Union), die Philippinen (ASEAN), Uruguay (CELAC) oder Bahrain (Golf-Kooperationsrat) tatsächlich erhalten. Dass sie eingebunden sind, ohne zu verwässern, was die Kernmitglieder entscheiden, ist ein Merkmal, kein Verdienst.
Eine Bewegung auf zwei Ebenen
Hier schließt sich der Kreis, aber nicht als Gleichsetzung. Wer sein Urteilen beobachten lernt, stellt im Kleinen her, was die Institutionen im Großen versuchen sollen: Erkenntnisse umsetzen. Beides braucht Zeit, beides kann misslingen, und beides ersetzt das andere nicht. Ohne die innere Übung bleibt jede Institution ein Apparat, der seine eigene Verleugnung entwickelt, wie die Geschichte jeder Gründung zeigt. Ohne Institutionen bleibt die innere Übung ein privates Gut, das an der Ordnung nichts ändert.
Moralische Systeme sind, um ein Bild aufzugreifen, Spatzen: Sie flattern auf dem Boden der Dualität, erklären die Regeln und bieten Sicherheit in den Käfigen von Recht und Unrecht. Sie können sagen, wie man gut dasteht und den Feind besiegt, aber sie können nicht wie Adler hoch fliegen. Die BRICS-Staaten sind keine Adler, und sie sind auch keine Spatzen; sie sind Vögel, die fliegen lernen, und sie lernen es durch Übung, nicht durch einen Wurf gegen die Wand. Die Welt wird nicht gerettet. Sie wird gebaut, Transaktion für Transaktion, Institution für Institution, Atemzug für Atemzug.
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Quellen
· Amin, Samir: Unequal Development: An Essay on the Social Formations of Peripheral Capitalism. New York: Monthly Review Press, 1976.
· Beck, Ulrich: Gegengifte: Die organisierte Unverantwortlichkeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1988.
· Casement, Roger: The Casement Report. London: His Majesty’s Stationery Office, 1904.
· Cohen, Stanley: States of Denial: Knowing About Atrocities and Suffering. Cambridge: Polity Press, 2001.
· Costs of War Project: Fact Sheet: The True Costs of the Post-9/11 Wars. Watson Institute, Brown University, 2024.
· Declassified UK: Victims of CIA Kenyan Hit Squad Win Compensation After Our Exposé. 18. April 2024.
· Diesen, Glenn: The New Phase of American Colonialism. Interview mit Richard Wolff, Greater Eurasia Podcast, 4. September 2026.
· Emanuel, Arghiri: Unequal Exchange: A Study of the Imperialism of Trade. New York: Monthly Review Press, 1972.
· Frank, André Gunder: Capitalism and Underdevelopment in Latin America. New York: Monthly Review Press, 1967.
· Hochschild, Adam: King Leopold’s Ghost. Boston: Houghton Mifflin, 1998.
· Kenya Human Rights Commission: High Court Awards Mombasa Family Sh6.5 Million After „Unlawful Shooting“ by CIA-Backed Kenyan Commandos. 9. April 2024.
· Lessenich, Stephan: Neben uns die Sintflut: Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis. Berlin: Hanser Berlin, 2016.
· Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewusstsein. Berlin: Der Malik-Verlag, 1923.
· Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Band 1: Der Produktionsprozess des Kapitals. Hamburg: Verlag von Otto Meissner, 1867.
· Prebisch, Raúl: The Economic Development of Latin America and Its Principal Problems. Lake Success, NY: United Nations Department of Economic Affairs, 1950.
· Sputnik Africa: The Dark Footprint of George Soros in Africa. 7. Juni 2025.
· Wallerstein, Immanuel: The Modern World-System I: Capitalist Agriculture and the Origins of the European World-Economy in the Sixteenth Century. New York: Academic Press, 1974.
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Dirk Ellerbrock, Jahrgang 1946, ist Diplom-Sozialwissenschaftler. Nach Studien der Wirtschafts-, Politikwissenschaften und Sozialpsychologie arbeitete er viele Jahre in der Finanzwirtschaft, Unternehmensberatung und als Management-Coach.
Mitte der 1990er wandte er sich mystischen Traditionen zu – Advaita-Vedanta, Zen-Buddhismus, Taoismus, Tantra und christliche Mystik –, vertieft durch Stephen Wolinskys „Quantenpsychologie" und die Unterweisungen Ramesh Balsekars in Bombay. Er leitete Meditationsgruppen und veröffentlichte 2010 unter dem Pseudonym Manaschu sein erstes Buch, „Das Geheimnis ewigen Glücks – Texte zur Menschwerdung" (ISBN 978-3-8391-4517-3). 2026 entstand sein noch unveröffentlichtes zweites Buch, „Die Schlange der Moral – Gift und Gegengift", das moralisches Urteilen als strukturelle Gewaltform durchleuchtet.
Heute schreibt er regelmäßig politische und gesellschaftliche Kommentare, u. a. für apolut und auf seinem Substack: https://substack.com/@dirkellerbrock
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